Amazon Kindle vs Google Play Books

05.09.2012 | 15:36 Uhr

Schaut man sich seit Mitte Juni 2012 im Google Play Store um, so werden einem überall Bücher zum Download angeboten. Die Meinungen über das digitale Lesen auf dem Smartphone/Tablet gehen in den Erfahrungsberichten und Internetforen weit auseinander. Amazon verkauft E-Books schon seit Jahren, Play Books sind erst seit drei Monaten auf dem Markt. Daher mag der Vergleich der beiden E-Book-Reader Apps auch etwas hinken, denn die viel jüngere Play Book App hat in der kurzen Zeit noch nicht annähernd den Umfang an Angeboten erreicht wie Amazon. Dennoch habe ich mir die beiden größten Android Bücher-Apps mal etwas genauer angeschaut und verglichen. Wer dabei gewinnt, wird sich noch herausstellen.

Amazons Kindle-App als E-Book-Reader für unterwegs

 

Amazons Kindle wirbt damit, dass es tausende Bücher im Shop gibt, die gratis zum Download bereitstehen. Unter anderem findet sich dort das Buch „Free Kindl Books and How to Find them“, in dem es anscheinend eine Anleitung gibt, wie man an gratis Bücher kommt. Dieses Buch kostet jedoch wiederum € 2,68. Die Ironie darin, mit Gratis-Lesematerial doch noch ein paar Euro umzusetzen, finde ich durchaus erwähnenswert. Einfacher und günstiger bekommt man die kostenlosesn Exemplare über den Link „Beliebte, kostenlose Klassiker“. Hier befinden sich Autoren wie Charles Dickens, Karl Marx oder Mark Twain, eben die wirklich alten Schinken. Aber da das Alter der Werke rein gar nicht auf deren Qualität schleißen lässt, lohnt es sich allemal sich ein oder zwei "All-Time-Classics" herunterzuladen um die ein oder andere literarische Wissenslücke aufzufüllen. Frei nach dem Motto: „Wenn die alten Bücher kostenlos sind, verkaufen wir die neuen besonders teuer“ bietet Amazon selbstverständlich auch alle Neuheiten und Bestseller an. Die Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sind im Store durchschnittlichen 3 Euro günstiger als die gedruckte Fassung. Für einen echten Kindle-Reader mag das angemessen sein, für ein Smartphone, mit einem im Schnitt 3,7 Zoll, LCD-Display ist der Preis wohl etwas mutig. Der Unterschied in der Ausgabe zum echten Buch oder E-Book-Reader ist gewaltig. Die Darstellung auf den kleinen Smartphone-Displays ist okay, auf die Dauer wird das Lesen jedoch anstrengend. Da helfen auch die Einstellmöglichkeiten der Schriftgröße, des Zeilenabstands sowie der Hintergrundfarbe nicht. Mit gerade mal um die 20 Zeilen pro Seite muss man ständig blättern und die kleine Schriftgröße macht das Lesen für so manch ein Auge zur echten Qual. Dennoch sei hier erwähnt, dass Bücher auch nach verschiedenen Preiskategorien durchstöbert werden können. So gibt es Bücher für unter 5, 3 und 2 Euro, bei denen alles dabei ist, von der Vampir-Schmonzette über die wichtigsten Fakten über Bauchmuskeln, bis hin zum Kindl Handbuch. Aber auch Sach-und Wörterbücher sind als E-Book erhältlich.

 

Der Konkurrent: Google Play Books

 

Nachdem Amazon bereits vor fünf Jahren mit dem Verkauf des Kindl-Reader begonnen hat, legt Google dieses Jahr mit „Google Play Books“ nach. Zwar bietet Google keinen eigenen Reader an, jedoch ein wachsendes Angebot an digitalen Büchern für alle Android Smartphones und Tablet-PCs. Zeitungen und Zeitschriften sucht man noch vergebens im Play Store. Auch die Auswahl an Büchern in deutscher Sprache ist noch relativ gering. Jedoch will Google bis 2015 rund 15 Millionen Bücher digitalisieren und im Play Store anbieten. Ob die Qualität sich ebenfalls verbessern wird, bleibt abzuwarten. Der Dienst „Google Books“ besteht bereits seit 2004 und wer sich schon mal damit beschäftigt hat weiß, dass die Darstellung oftmals etwas zu wünschen übrig lässt, da es sich meistens um Scans handelt. Die Handhabung der Google Play App ist jedoch recht übersichtlich. Die Bücher werden wahlweise in der Karussell-Ansicht oder als Auflistung dargestellt. Bei den Einstellungen lässt sich zwischen einer Tag- und Nachtansicht wechseln, sowie die Schriftart und -größe verändern. Bevor man ein Buch vollständig erwirbt, hat man oft die Möglichkeit eine Leseprobe herunterzuladen. Gefällt einem was man liest, kann man im Play Store das Buch kaufen - in der Regel zu einem günstigeren Preis als im Buchladen. In Bezug auf die Rückgabe von Büchern findet sich in den Google Nutzerrichtlinien, dass ein Buch zurückgegeben werden kann, sofern die Rückgabe innerhalb von 7 Tagen beantragt wurde.

 

Welche App gewinnt? Amazon Kindle oder Google Play Book?

 

Vergleicht man die beiden Dienste, so wird sofort klar, dass Amazon momentan noch ganz weit vorne ist und dies wahrscheinlich auch noch eine Weile so bleiben wird. Das Angebot im Play Store von Google ist noch sehr gering und daher auch weniger populär. Dies spiegeln auch die Meinungen über die Google Books App wieder, die von „Sollte sich an den Preisen etwas in Richtung Realitätsnähe für digitale Medien ergeben, schau ich gerne noch mal rein“, „Lieblos in der Darstellung, teuer im Preis“ bis hin zu „Diese App ist totaler Mist!“. Die Anzahl an negativen und positiven Meinungen sind sind fast gleich. Viele User sind der Play Book App gegenüber optimistisch eingestellt: „Die App ist klasse und funktioniert bestens“, „Auf Wunsch wird das Buch sogar vorgelesen“. Die Kindle App sahnte überwiegend positive Bewertungen ab und kann sich großer Beliebtheit erfreuen. Die App ist übersichtlich und über die teuren Preise der Bücher beschweren sich hier weniger User als bei der Play Book App. Ich persönlich bin hin und her gerissen. Einerseits ist es selbstverständlich, das Bücher nicht automatisch günstiger sind, nur weil sie im digitalen Bookstore stehen. Auf der anderen Seite stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nicht ganz. Zumindest beim Smartphone. Das Lesen auf dem kleinen Screen ist auf die Dauer anstrengend und kein Vergleich zu einem echten Buch oder einem E-Book-Reader wie dem Kindle. Für den geringen Lese-Komfort zahlt man also ungern 9,90 € und mehr. Allerdings hat man sein Smartphone immer dabei und muss so kein Buch oder Kindle mit sich herumschleppen. Will man sich beim Warten auf die Bahn oder auf dem Weg zur Arbeit die Zeit vertreiben, gibt es viele kostenlose Ausgaben zum Download in beiden Stores, was empfehlenswert ist. Ob sich E-Books tatsächlich auf dem Smartphone Markt etablieren, bleibt abzuwarten. Für unterwegs ist es, genau wie auch die vielen News Apps, eine informative Unterhaltung. Um in Ruhe ein Buch zu lesen, ist die Umsetztung auf dem Smartphone wohl noch nicht ausgereifet. (fl)

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